Obdachlosigkeit abschaffen

Offener Brief an Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester

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Oberbürgermeister
Torsten Burmester
Dezernat OB

20. Januar 2026

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

Sie haben den Drogenkranken, den Wohnungs- und Obdachlosen und den Anwohnern und Geschäftsleuten um den Neumarkt herum Hilfe versprochen. Das für Hilfe zuständige Sozialdezernat hat in der Vergangenheit diese Not nicht ausreichend berücksichtigt und findet folglich keine wirksame Antwort auf die seit Jahren steigenden Zahlen der Drogentoten und der Wohnungs- und Obdachlosen. 

In der kostenlos in alle Haushalte verteilte Ausgabe „Express – Die Woche“ vom 3. Januar 2026 wird vermittelt, dass die Drogenkranken selbst schuld an ihrer Verelendung sind. Sozialdezernent Dr. Harald Rau darf unwidersprochen verkünden: „Der wachsende Crack-Konsum hat zu spürbar mehr Verelendung geführt.“ Der Crack-Konsum wird nicht in Beziehung zur zunehmenden Verarmung gesehen und die Rolle der Obdachlosigkeit der Drogengebraucher bleibt genauso außen vor. Kampf gegen die Armut und Kampf gegen die Obdachlosigkeit hat in Köln keine Priorität. Seit 2016 hat sich die Zahl der Drogentoten in Köln verdoppelt: 2016 waren es 46 Drogentote, 2023 waren es 97 und 2024 hat die Polizei 88 Drogentote registriert. Siehe Seite 58 in der Polizeilichen Kriminalstatistik Kölns.

Dr. Harald Rau beauftragte 2018 Streetworker, die Obdachlosen nach ihren Wünschen zu fragen. In ihrem Bericht bilanzieren Stefan Seifert und Petra Hastenteufel auf Seite 43: „Allen Gemeinsam ist der Wunsch nach einem Ort, der ihnen Ruhe, Schutz, Geborgenheit sowie Privatsphäre bietet und an dem sie ein autonomes Leben nach ihren Vorstellungen leben können.“ Am Ende verweisen sie auf „den hohen Bedarf an Einzelzimmern“, „den besonderen Bedarf an Wohnplätzen für Paare“ und „Unterbringungsmöglichkeiten für Menschen, die Tiere halten.“

Dr. Rau berichtete am 5.9.2019 im Sozialausschuss über die Ergebnisse der mit wohnungslosen Menschen geführten Interviews durch die Streetworker*innen des Benedikt Labre e.V. und der Diakonie Michaelshoven e.V.. Sein Fazit: Der durchgehend geäußerte Wunsch der Befragten, eigenständigen Wohnraum zu beziehen, stößt aufgrund der Wohnungsmarktlage in Köln an tatsächliche Grenzen. Die Verwaltung prüft deshalb gemeinsam mit den Trägern der Wohnungslosenhilfe, inwieweit die Zugangshürden ins Hilfesystem abgesenkt und damit verbunden die Akzeptanz der vorhandenen Angebote gestärkt werden kann.“

Trotz der leerstehenden Wohnungen, Ladenlokale und Büroimmobilien sah Dr. Rau keine Möglichkeit, den Wünschen der Obdachlosen zu entsprechen. Bis heute gibt es die Wohnplätze für Paare nicht und keine Zimmer für Obdachlose mit Hunden. 

Dann kam Corona und plötzlich war es möglich dem hohen Bedarf an Einzelzimmern gerecht zu werden. 

Der Sozialausschuss der Stadt hat am 14. Januar 2021 coronabedingt einstimmig beschlossen alle Obdachlosen in Einzelzimmern unterzubringen.

Der Rat hat das am 4. Februar 2021 bekräftigt.

In den folgenden Jahren ist Dr. Rau mehrfach darauf angesprochen worden, warum das nur befristet war, warum die Obdachlosen nicht von der Straße in abschließbare Einzelzimmer geholt werden. Er antwortete, weil dann andere nachkommen.

Sowenig wie es in Köln Bemühungen gibt, die Konkurrenzen zwischen Geflüchteten und Obdachlosen solidarisch zu überwinden, sowenig sind Aktivitäten der Stadt zu erkennen, die Konkurrenzen zwischen den Städten solidarisch zu überwinden.

Zum zweiten Kolloquium zur Bekämpfung von Wohnungslosigkeit am 14. Juni 2022 war die Anthropologin Dr. Luisa Schneider eingeladen. Auch sie betonte: „Wenn wir die Lösungen auf Modellprojekte beschränken, tragen wir zu dem Flickenteppich bei, der Wohnungslosigkeit verwaltet statt sie zu beheben. Um wohnungslose Menschen zu stützen und Wohnungslosigkeit nicht nur zu verwalten, müssen wir die klaffende Lücke zwischen dem Dach über dem Kopf und dem Zuhause schließen.“

Wo auf die Not von Menschen keine Soforthilfe folgt, bleibt es normal, den Drogenkranken und Obdachlosen beim Sterben zuzusehen.

Ohne abschließbare Einzelzimmer sinkt die Lebenserwartung von obdachlosen Menschen im Durchschnitt um 30 Jahre und sie bleiben Gewalt und Beleidigungen ausgesetzt. 

Es bleibt das Ziel, Obdachlosigkeit bis 2030 abzuschaffen.

Mit freundlichen Grüßen

OMZ e.V.

Kalle Gerigk


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